Donnerstag
05Nov2009

Von der Küste in den Urwald

Eigentlich wollten wir nur kurz die Beine vertreten. Anstelle von einer Wanderung entlang der Levada Ribeira de Janela (Bewässerungskanal) in den Urwald bis zum Wasserfall zu gehen, wollten wir das joggend tun. 3km ging es entlang der Levada, entgegen der Fliessrichtung bis zu einem Wasserfall und wieder zurück. Ich sagte noch zu Christoph, dass lohne sich weder den Pulsgurt noch eine Uhr anzuziehen.


Der Weg entlang des gepflegten Bewässerungskanals war breit genug, so dass wir nebeneinander laufen konnten. Ab und zu sah man eine Forelle die kanalaufwärts im frischen Bergwasser schwamm. Links und rechts von der Levada wuchs eine üppige Vegetation; Blumen, Gräser und Sträucher. Je weiter wir ins Tal hinein liefen, desto dichter wurde der Urwald. Die hohen Bäume erschwerten uns auch die Sicht ins tiefe Tal der Riebeira de Janela. Der Weg war jetzt nur noch schmal, aber immer noch gut ausgebaut. Ausgesetzte Stellen waren mit einem Zaun gesichert. Die vielen Pfützen verrieten, dass es erst vor kurzem aufgehört hatte zu regnen.
Nach einer ganzen Weile, keine Ahnung wie lange wir schon unterwegs waren, kamen wir zum Eingang eines Tunnels. Natürlich hatten wir auch keine Taschenlampe dabei. Der Ausgang war jedoch, obwohl ziemlich weit weg, erkennbar. Ein zuvorkommender Engländer, der gerade mit seiner Frau aus dem Tunnel kam, informierte uns über die Beschaffenheit des tiefen Tunnels: Levade links, Weg rechts, Achtung vor Felsvorsprüngen. Und meinet:"It's up to you". Genau! Dass schaffen wir schon:-)

Endlich draussen, kam die erste Dusche von oben. Nein, kein Regen sondern ein Wasserfall. Die Levada geht durch den Wasserfall hindurch. Wir entdecken die  Abdeckung, die uns unter dem Wasser hindurch leitet und so dachten wir nicht ans umkehren. Trotzdem wurden wir etwas nass. Gleich darauf standen wir vor dem nächsten Tunnel. Dieser ging ums Eck, war aber nur kurz. Nach diesem Tunnel rannten wir weiter und wir hatten beide das Gefühl schon ziemlich lange unterwegs zu sein. Bei jeder Kurve erwarteten wir nun diesen Wasserfall, der das Ende des Weges und uns somit zum Umkehren gezwungen hätte. Wir passierten zwei weitere Tunnels und einige "Duschen" und rannten immer tiefer ins Tal hinein. Inzwischen waren unsere Turnschuhe klitschnass, da wir teilweise bis zum Knöchel im Wasser standen. Mein Bauch machte sich auch langsam bemerkbar und signalisierte Hunger;-)

Irgendwann drehten wir um, Wasserfall hin oder her! Am Himmel verdichteten sich dicke graue Wolken und der Abend kündigte sich an. So liefen wir den gleichen Weg zurück. Durch die Tunnels kamen wir schneller als beim ersten Mal, irgendwie gewöhnt man sich an die Dunkelheit. Auf dem letzten Stück, wir waren bestimmt schon zwei Stunden unterwegs, hatten wir dann auch genug. Christoph erhöhte das Tempo und ich musste zusehen, dass ich dran blieb:-)
Nach 2,5h waren wir zurück beim Auto. Ich konsultierte gleich den Führer, denn mir war das ein Rätsel, wie das 3km gewesen sein sollten. Aha, die erste Dusche nach dem ersten Tunnel war DER Wasserfall, wo der Wanderführer auch empfahl umzukehen. Denn was danach kommt stand auch hier: teils schlecht ausgebaute, feuchte Wege und viele Tunnels.

Ich fands abenteuerlich und schön zugleich. Wann kann ich sonst schon im Urwald auf so weichen Trails laufen?! Und das nächste Mal werden wir auch die Beschreibung des Weges lesen und nicht nur die Karte studieren...

Donnerstag
05Nov2009

Sommersonne auf Madeira im November

Ich hab mich seit Wochen auf den Urlaub auf Madeira gefreut. Kein Training, nur Entspannung und Kultur. Meine Erwartungen wurden übertroffen: Hier auf der Insel begrüsst uns die Sommersonne, Baden im warmen Meer, eine vor Fruchtbarkeit strotzende Landwirtschaft und ausgesprochen freundliche und zuvorkommenden portugiesische Inselbwohner.


Es ist herrlich! Die Insel ist wunderschön, auch jetzt im Spätherbst noch voller Blüten, exotischen Früchte und Gemüse. Fast jeder Zentimeter wird hier bewirtschaftet, obwohl dies gar nicht so einfach ist. Die Insel, eigentlich nur Überreste eines riesigen Vulkansystems, ist gebirgig. Die Berge ragen steil aus dem Meer heraus. Der höchste Berg ist auf 1861Meter über Meer.


Auf der Südseite der Insel sind die steilabfallenden Hänge mit kleinen Terrassenfelder bebaut, damit jedes freie Stück Land mit Bananenstauden, Kartoffeln, Mango- und Avocadobäumen bepflanzt werden können. Die Blumen-, Pflanzen, Gemüse- & Früchtevielfalt ist wirklich beeindruckend. So entdecken wir immer wieder Früchte und Gemüse wovon wir keine Ahnung haben was es ist, geschweige den wonach es schmeckt. Die schlauen Marktverkäufer lassen uns netterweise alles probieren in der Hoffnung, dass wir von den teueren exotischen Früchten auch was kaufen...


Madeira ist ganz klar kein Radfahrerparadies. Obwohl die Strassen sehr gut ausgebaut sind und man entlang der Küste kilometerweit auf Nebenstrasse fahren kann. Aber es ist sooo steil. Ich bin froh, haben wir uns für ein Mietauto entschieden. Damit lässt sich auch ganz praktisch die Insel auskundschaften.
Die Berge laden zum Wandern ein und wir lassen uns dies nicht entgehen. Viele Wanderungen führen entlang der Levadas, sogenannten Bewässerungskanälen oder auf die höchsten Gipfel der Insel.

Unser Hotel liegt ebenfalls auf der Südseite der Insel und ist ein kleines Paradies. Es liegt auf einem Felsvorsprung oberhalb von Ponta do Sol. Hier lässt es sich sehr gut entspannen und das wilde Wolkenspiel über dem Atlantik beobachten.

Samstag
17Okt2009

Freeradicals - Das Jubiläumswochenende und was daraus entstanden ist...

Zum 10-jährigen Jubiläum wurden die radikalen Triathleten nach Meiringen gerufen, wo sie während zwei Tage Spass, Sport & Überraschungen erwarteten. Natürlich war ich da auch dabei - den spätestens seit dem Alpinathlon Weekend in St. Moritz - war ich auch von der «orangen Truppe» infisziert. Ausserdem war das eine gute Möglichkeit noch ein paar weiter Clubmitglieder kennen zu lernen. Samstag entschied ich mich für die Führung der Grimselkraftwerke und der Gelmerwanderung. Die Fahrt mit der Gelmerbahn fand ich aufregend...Hand aufs Herz, mir war nicht mehr ganz wohl, als ich unter mir das Tal nicht mehr sah und wir quasi in der Luft gehangen haben;-)


Bereits am frühen Samstagmorgen, beim lockern Footing, erwähnte Anne, wie ich es den fände, wenn wir uns bei den Freeradicals engagieren würden. Das heisst engagieren im Vorstand. Ich hab gemeint sie mache Witze und hab nicht wirklich reagiert.
Doch das Thema war nicht vom Tisch und so wurde Abends dann heftig darüber diskutiert. Anne zog uns drei Frauen  - das sind Petra, Myriam und ich - gleich in Bann. Wie cool wär das denn, gemeinsam für den Triathlonverein, dacht ich mir!


Ich lass hier die weiteren Ausschweifungen, Fact ist, dass wir vier als Nachfolgerinnen der zurücktretenden Vorstandsmitglieder im November zur Wahl stehen werden.

Bereits am Mittwoch wurde Anne auf dem Freeradical Blog vorgestellt. Heute bin ich dran und in den nächsten Tagen folgen Myriam und Petra. Lest auf dem Blog, was wir vier nächstes Jahr in Bewegung bringen möchten...Ach ja, und die Freeradicals twittern jetzt auch!

Und noch ein paar Bilder vom sonnigen Wochenende im Berner Oberland.

Freitag
02Okt2009

Saisonende - früher als erwartet

In den letzten paar Wochen, seit der Mitteldistanz in Locarno, war meine Trainingsmotivation noch weiter gestiegen. Natürlich merkte ich auch das die Saison jetzt schon lange anhält und meine Reserven kleiner werden. Trotzdem fokussierte ich mich stark auf den bevorstehenden Luzern Marathon, der in ein paar Tagen stattfinden wird. Mein Trainingsplan war darauf ausgerichtet, vorallem an der Schnelligkeit zu arbeiten, denn an Ausdauer fehlt es mir ja nicht;-) Oft standen Koppeltrainings mit steigernden kurzen Läufen auf dem Plan. Die Umfänge waren relativ klein, im Vergleich zu den zahlreichen Longjogs, die ich jeweils zur Vorbereitung in früheren Jahren absolviert hatte. Das Lauftraining bekam so eine ganz neue Qualität, welche ich ohne grosse Probleme wegsteckte. Trotzdem war da eine latente spürbare Müdigkeit vorhanden.

Seit längerer Zeit plagten mich aber auch Bauchschmerzen. Es verging eine ganze Weile bis ich das abklären liess. Jedenfalls hab ich vor zwei Wochen nun die Resultate der Untersuchen erhalten. Ist glücklicherweise nichts Schlimmes, jedoch ist es nicht ratsam mit einer Schilddrüsenunterfunktion einen Marathon zu laufen. Ein solch langer Lauf ist halt schon auslaugend und es dauert einige Wochen, bis man sich davon erholt. Ich hab ich mich also entschieden den Marathon nicht zu laufen. Natürlich war ich erst enttäuscht, hatte ich mich auf diese Herausforderung gefreut. Anderseits kann ich auf eine sehr schöne Triathlonsaison zurückblicken, die mich jetzt mit einem guten Gefühl aufhören lässt...Ich mach es jetzt wie die Murmeltiere im Winter und ziehe mich in mein Nest zurück um auszuruhen, jedenfalls bezüglich Sport:-)

Dienstag
08Sep2009

Ein perfekter Tag - meine erste Mitteldistanz

Wenn ich jetzt, zwei Tage nachdem ich in Locarno nach 5h 25min über die Ziellinie gelaufen bin, zurück denke, dann kann ich immer noch kaum in Worte fassen, wie ich mich dabei gefühlt hab. Das Gefühl war jedenfalls grossartig. Anders als bei einem olympischen Triathlon und zwar, nicht nur im Ziel sondern auch während des ganzen Wettkampfes.
Auf der olympischen Distanz ist alles so hektisch, hart und es fällt mir jeweils schwer, mich auf eine Disziplin einzustellen.


Auf der Mitteldistanz in Locarno fiel es mir ganz leicht. Wobei ich in allen Disziplinen eher etwas zurückhaltend war, jedenfalls jeweils zu Beginn. Besonders vor dem Schwimmen und dem Laufen hatte ich besonderen Respekt. Das letzte Mal als ich die Seeüberquerung von 2,6km von Männendorf nach Wädenswil geschwommen bin, hab ich schwer an mir gezweifelt. Dass kam mir so lange vor. Dazu kam ich nur torkelnd aus dem Wasser.
Am Sonntag ging ich deshalb das Schwimmen langsam an. Bereits nach ein paar hundert Metern schwamm ich dann mutterseelen alleine entlang der gelben, hohen Boyen. Das war eine mentale Herausforderung. Ich wusste ja nicht wie viele noch hinter mir waren, jedenfalls fühlte ich mich alleine. Im Wasser verliere ich jeweils auch jegliches Zeitgefühl. In diesem Moment kamen auch Zweifel auf. Ich versuchte meinen Kopf frei zu kriegen, positive Gedanken abzurufen und schwamm in meinem Rhytmus weiter. Trotz Wellengang und teilweise Orientierungsschwierigkeiten im Wasser kam der Ausstieg doch schneller näher. Gegen meine Erwartungen konnte ich an Land gleich in die Wechselzone loslaufen ohne jegliche Gleichgewichtsstörungen. Mein Rad zu finden, war in der Tat ein Kinderspiel, hatte es doch wirklich nur noch ganz Wenige;-)

Kaum sass ich auf dem Rad, fühlte ich mich entspannt und locker. Die Beine traten von alleine, der Puls blieb tief. Jetzt einfach nicht übertreiben, dachte ich. Ich ging die 80km sachte an und fuhr relativ locker das Maggiatal hoch. Die ersten 10km waren wir am Samstag noch zum Einradeln gefahren, so wusste ich genau was auf mich zukam. Je steiler die Strecke wurde - es galten 600 Höhenmeter auf den ersten 40km zu bezwingen - desto mehr Athleten konnte ich überholen. Das Feld von hinten aufzurollen ist halt doch sehr motivierend;-) Und dann war ich auch schon oben. Dank den guten Verpflegungstipps von Christoph, hatte ich keinen Energieabfall und fühlte mich jetzt beim Runterfahren immer noch frisch. Nun war es an der Zeit etwas Tempo zu machen. Runter fahren, dass kann ich gut! Die Strecke bot sich auch bestens an um in der Aeroposition zu fahren. Meine Gefühlskurve stieg weiter nach oben, als mir bewusst wurde, dass ich mehr als einen 30er Schnitt auf dem Rad hatte.

Diesmal hatte ich mir genau gemerkt wo meine Platz in der Wechselzone war;-) Trotzdem brauchte ich ein paar Sekunden mehr, weil mir meine drei erprobten Tri-Gspändli empfohlen hatten, Socken in die Laufschuhe anzuziehen. Jetzt nur den Kopf nicht verlieren. Ich hätte zu Beginn schneller laufen können, doch 20km können lang werden. Davor hatte ich grossen Respekt. Vier Runden à 5 km standen bevor. Ich fand sofort meinen Rhytmus, verpflegte regelmässig weiterhin alle 20-30min und fühlte mich einfach gut. Es war nicht zu vergleichen mit Uster, da waren meine Beine so schwer.
Die ersten 10km waren schnell rum. Der Puls über die ganze Zeit im Bereich von 150 Schläge pro Minute. Auch daas Anfeuern von Christoph und Annes Eltern wirkten sehr motivierend. Auf den letzten zwei Kilometer konnte ich noch Energie freimachen und so wurde die letzte 5km-Runde meine Schnellste. Und schon sprang ich über die Ziellinie!


Irgendwie hat einfach Alles gepasst - das Wetter, die Stimmung am Wettkampf, die Vorbereitung, die Einstellung, die Verpflegung, die Vorfreude und die Begleitung, die besser nicht hätte sein können. Für mich war der Wettkampf ein persönlicher Erfolg und die Belohnung für die vielen Trainingsstunden. Wie sagt man so schön, die schönsten Dinge sind nicht Dinge sondern Ereignisse. Ein toller Abschluss dieser Triathlon Saison, welcher sich sogleich äusserst motivierend auswirkt in Anbetracht auf meine bevorstehende Langdistanz im nächsten Sommer!

An dieser Stelle auch besten Dank an Alle, die am Sonntag an mich gedacht haben, mich in den letzten Monaten unterstützt, bestärkt und viel Verständnis für die zahlreichen Trainingsstunden aufgebracht haben. 

Hier gibts wie immer Fotos...

5:25.07,8 21.¦Swim 1:00.25 25.¦ Bike 2:34.58 19.¦ Run 1:45.28 18.